Franchising im Self-Storage: Die Vor- und Nachteile

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Franchising erlaubt den schnellen Einstieg ins Self-Storage, wir besprechen die Vor- und Nachteile für beide Seiten, Franchisegeber und -nehmer.

Getrieben von steigenden Wohnungspreisen erlebt der Self-Storage Markt in Deutschland, Österreich und der Schweiz derzeit einen richtigen Boom. Das spricht sich herum: Investoren, Immobilienentwickler und findige Unternehmer haben die Gelegenheit erkannt und kommen mit neuen Self-Storage Marken auf den Markt. Sie setzen auf Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle wie Franchising.

In diesem Artikel zeigen wir, wie Franchising im Self-Storage funktioniert, warum es für Franchisegeber vor allem Vorteile hat, und worauf Franchisenehmer beim Einstieg ins Franchise aufpassen müssen.

So funktioniert Self-Storage Franchise

Jeder Self-Storage Franchise hat zwei Seiten:

  • Der Franchisegeber unterstützt beim Aufbau neuer Standorte, hilft mit einem klaren Plan, Erfahrung im Bau, und günstigen Konditionen im Einkauf. Im Betrieb bringt er neue Kunden und stellt seine Infrastruktur bereit – das sind im Self-Storage vor allem etwas Software und der Kundendienst.
  • Franchisenehmer kaufen sich in das Franchise-System ein, mieten oder kaufen Standorte, und statten sie aus. Ist der Standort automatisiert, haben sie im Betrieb wenig zu tun: Kontrollen der Lagerabteile und Besichtigungstouren mit Interessenten fallen an, Reinigung & Wachdienst können eingekauft werden.

Bezahlt wird mit der Franchisegebühr. Franchisenehmer zahlen einmalig einen Fixbetrag und geben später einen Anteil ihrer Umsätze an den Franchisegeber ab.

Vorteilhaft für Franchisegeber

Wer ein Self-Storage Unternehmen aufbaut, hat einen Grundaufwand, wie für Marketing und IT, der sich später über die Standorte verteilt. Wer als Self-Storage Unternehmer mehr baut, baut günstiger.

Für Franchisegeber überwiegen die Vorteile:

  • Effizient werben: Die Werbekosten für eine Region sind Fixkosten. Wer mehrere Sandorte in der Region hat, zahlt so weniger pro neuen Kunden.
  • Fixkosten finanzieren: Moderne Immobilienunternehmen möchten Prozesse möglichst automatisieren. Die Investition lohnt sich, kostet aber im Aufbau und der Weiterentwicklung. Franchisenehmer helfen mit ihren Gebühren bei der Finanzierung.
  • Schneeballeffekt: Je größer ein Franchise ist, desto bekannter wird er - und damit attraktiver für Franchisenehmer und Investoren. Wachstumseffekte verstärken sich.
  • Geringes Risiko: Franchisegeber kontrollieren die Beziehung und diktiert die Bedingungen. Der Franchisenehmer bindet sich mit einer hohen Investition an den Franchise und ist zu einer langfristigen Zusammenarbeit gezwungen.

Die Nachteile für Franchisegeber halten sich in Grenzen:

  • Investition in den Aufbau des Franchise: Wer sein Geschäftssystem an andere verkauft, muss es besonders klar aufbauen und automatisieren - das kann zusätzlichen Aufwand bedeuten.
  • Betreuung der Franchisenehmer: Die Franchisenehmer werden zur neuen Kundengruppe, die man wirbt, einführt und betreut. Das braucht eigenes Personal.
Starten Sie als Franchisegeber einfach – mit einem eigenen Standort, aber dem Franchise im Hinterkopf. Hat sich das Self-Storage-Geschäft bewährt, kann ein Franchise-System aufgebaut werden.

Für Franchisegeber im Self-Storage überwiegen die Vorteile. Wer die Nachteile umgehen will, sollte den Aufbau des Franchise zweistufig angehen: Starten Sie mit eigenen Standorten, aber dem Franchise im Hinterkopf. Hat sich das Self-Storage-Geschäft an den eigenen Standorten bewährt, kann ein Franchise-System aufgebaut werden.

Franchisenehmer sind im Nachteile

Wer bei Null anfängt, mit Bauen nichts am Hut hat, oder einfach ein Geschäft sucht, mit dem er schnell starten kann, für den ist das kaufen einer Franchise-Lizenz eine echte Alternative. Franchisenehmer nutzen gemeinsam die Infrastruktur ihres Lizenzgebers. Sie stellen und betreiben den Standort, der Franchisegeber bringt die Kunden - ein attraktives Geschäft, dass man auch nebenbei betreiben kann.

Franchising hat seine Vorteile für Franchisenehmer:

  • Schneller Start: Hat der Franchisegeber schon ein paar Standorte, läuft das Onboarding neuer Franchisenehmer wie am Fließband: Alles ist durchgeplant - man muss es nur noch durchspielen.
  • Hilfe beim Bau: Der Franchisegeber hilft nicht nur bei der Planung, hat auch die nötigen Kontakte und im Einkauf der Systeme bessere Konditionen, als man sie selbst hätte.
  • Standort füllt sich von selbst: Als Franchisenehmer stellt man die Lagerabteile, der Franchisegeber bringt die Kunden. Ist der Franchise automatisiert, fällt kaum Arbeit an, wie Reinigung und Kontrollen - aber auch das kann man auslagern.

Aber leider haben Franchisenehmer in kritischen Punkten bedeutende Nachteile:

  • Abhängigkeit groß: Der Franchisegeber diktiert das Aussehen und alle Konditionen. Übernimmt sich das Unternehmen beim Wachstum und wird insolvent, geht man mit unter. Enthält der Vertrag ein Wettbewerbs­verbot, bleibt bei Unzufriedenheit dem Lizenznehmer keine Alternative, als der Ausstieg aus dem Self-Storage-Geschäft.
  • Hohe Lizenzgebühr: Die Einstiegsgebühren in Self-Storage fallen so hoch aus, dass man einfache Projekte damit schon selbst umsetzen könnte. Die Rechtfertigung fehlt.
  • Rentabilität unklar: Franchisegeber wollen zuerst ihre Lizenzgebühr. Franchisenehmer sollen Gewinne machen, aber garantiert sind sie nicht. Ist der Standort des Lizenznehmers nur gemietet, bergen auslaufende Verträge ein zusätzliches Risiko: Endet der Mietvertrag zu früh, kann es sein, dass die Investition sich nie einspielt.
Bei unseren Kunden merken wir einen Trend: Franchise wird geprüft, dann aber abgelehnt. Vor allem der Mehrwert ist unklar - zurecht, finden wir.

Bei unseren Kunden merken wir einen Trend: Franchise wird geprüft, dann aber abgelehnt. Vor allem der Mehrwert ist unklar - zurecht, finden wir. Denn während ein Franchise in der Gastronomie viel mitbringt, zahlt im Self-Storage der Lizenznehmer eine saftige Gebühr, bekommt aber wenig. Was wir meinen, zeigen wir mit diesem einfachen Vergleich:

Gastronomie Self-Storage
Immobilie Anspruchsvolle Ausstattung wie eigens entwickelten Tischen, Stühlen, Automaten und Küchengeräten. Einfaches Lage mit Standard-Ausstattung, wie einem Trenndwandsystem für Self-Storage.
Betrieb Franchisegeber stellt Uniformen und standardisierte Arbeitsabläufe bereit, schult Mitarbeiter. Im Smart Self-Storage ist alles automatisiert. Es gibt es keine ständigen Mitarbeiter vor Ort.
Material Exklusive Lieferanten der Mutter liefern laufend Nachschub, ohne dem das Restaurant nicht läuft. Es gibt kein Verbrauchsmaterial, das ständig nachgekauft werden muss.
Kunden Es braucht laufend neue Kunden. Das Marketing der Mutter denkt sich neue Produkte aus, die dann um viel Geld beworben werden. Das Lager füllt sich mit der Zeit. Ab dann reicht minimale Werbung, damit Ein- und Auszüge sich die Waage halten.

Kein Wunder also, wenn Self-Storage-Unternehmer dann lieber den eigenen Weg einschlagen, und das Unternehmen selbst aufbauen.

Über den Autor
Sebastian Kerekes, Consultant & CEO

Sebastian Kerekes ist IT-Berater mit über 15 Jahren Erfahrung in der Umsetzung von IT-Projekten. Als Geschäftsführer von Karibu hilft er Immobilien­unter­nehmen bei der Entwicklung neuer Produkte und Dienst­leistungen, und hat so Self-Storage-Anlagen, Parkhäuser und Stadtquartiere erfolgreich digitalisiert.